Dann kam eine, die wusste das nicht und hat's einfach gemacht.

Jeder kennt den Spruch. Für den einen ist es entmutigend, wenn niemand an einen glaubt und für den anderen wirkt es motivierend. Nach dem Motto „jetzt erst recht“. Wie man darauf reagiert, wenn einem gesagt wird, dass etwas nicht möglich ist, bleibt jedem selbst überlassen.

Heute möchte ich euch Jasmina vorstellen, für die dieser Spruch bedeutete, dass sie allen zeigen wird, was in ihr steckt. Komme, was wolle. Um jeden Preis.

Jasmina wirkt quicklebendig, selbstbewusst und fit wie ein Turnschuh. Ist sie auch. Aber sie hat eine Geschichte, die mich sehr bewegt und die ich unbedingt mit euch teilen möchte.

Ich kenne Jasmina über mehrere Ecken und fand es immer sehr beeindruckend, wie sie in der Öffentlichkeit auftritt. Sie ist passionierte Läuferin und schafft es, eine große Menge von Menschen für den Laufsport zu begeistern. Sie hat eine unbändige Energie und Leidenschaft für Menschen, Sport, Bewegung und Gesundheit. Doch gerade diese war ihr nicht geschenkt und sie musste einen steinigen Weg hinter sich bringen, um wieder so fit zu werden wie sie vor ihrem Schicksalsschlag war.

Jasmina ist 34 Jahre alt und lebt in Köln. Sie verließ ihre Heimatstadt Berlin mit 23, studierte Jura und pendelte viel zwischen den Städten. Eigentlich ist Jura so gar nicht ihre Welt, aber sie mag es, analytisch zu denken und zu arbeiten. Sie sagt selbst von sich, sie sei ein einsamer Wolf, der gern über Büchern hockt. Jasmina mag aber auch Literatur, Gedichte und vor allem ist sie ein fan der Deutschen Sprache, weshalb sie ihr Studium vor allem durch eine Tätigkeit als Lektorin und Korrektorin bei einem juristischen Verlag finanzierte. Als Halb-Serbin arbeitet sie bis heute nebenbei als Dolmetscherin für Serbisch, Kroatisch, Bosnisch und hat sich beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sogar Kenntnisse in Mazedonisch angeeignet. Aktuell schreibt sie an ihrer Doktorarbeit und vergleicht dabei Deutsches und Serbisches Prozessrecht.

Jasmina war immer schon sehr sportlich. Geprägt durch ihre Eltern, die bis heute leidenschaftliche gern zum Uni Sport gehen, begann sie früh mit Kinderturnen und Judo, bis sie später Ballett und Reiten für sich entdeckte. Durch ihren frühen Auszug von zuhause ging sie zum Laufen und Fitness Training über. Mit 16 Jahren ging sie nach England und nahm versehentlich mehrere Kilo zu. So kam sie dazu, das Laufen für dich zu entdecken. Zunächst, um etwas abzunehmen. Doch dann entwickelte sich eine unbändige Leidenschaft für diesen Sport.

Jasmina ist immer schon ein tougher Typ Mensch gewesen, der manchmal sogar harsch und sehr straight wirkt. Sie hat eine starke Seite sowohl wie eine emotionale Ader und einen großen Gerechtigkeitssinn. Sie liebt Tiere und ihren Hund über alles. Sport bedeutet ihr heute, sich selbst zu spüren und wirkt wie eine Art Meditation.

Doch das war nicht immer so. Als Teenager hatte sie eine Sport Sucht, wie sie heute selbstbewusst behaupten kann. Selbst Verabredungen mit Freunden waren ihr nicht so wichtig wie jeden Tag beim Training Vollgas zu geben. Vielleicht kennt der ein oder andere das: wenn man keinen richtigen Halt in seinem Leben findet, erwachsen werden muss und/ oder einem alles zu viel wird, sucht man sich irgendwo einen Halt. Das kann Religion sein, Sport oder etwas anderes.

Nicht, dass ich das in irgendeiner Art beschönigen möchte, aber wenn man sich allein und einsam fühlt, ist das nicht unnormal. Doch Jasmina hat den Absprung geschafft und sich gefunden.

Heute weiß sie, welche Stärken sie hat und was ihr in ihrem Leben wichtig ist.

Mut, Liebe und Stärke.

Den Mut zu haben, den Weg zu gehen, den sie gehen möchte und zu sagen, was sie sagen möchte.

Die Liebe zur Veränderung und die Kraft, diese durchzuziehen. Liebe ist für Jasmina die Grundlage für alles. Sie liebt die Freiheit, sein zu dürfen, wer sie sein möchte und ihr Leben so zu leben, wie sie es für richtig hält und jeden einzelnen Tag auszukosten.

Diese Einstellung hat sie sich hart erarbeiten müssen. Denn ein Schicksalsschlag riss sie 2015 aus ihrem Alltag. Urplötzlich verlor Jasmina unkontrolliert viel Gewicht, sie bekam keine Luft mehr und wusste nicht, wie ihr geschah. In der Notaufnahme wurde keine Ursache für ihren Zustand gefunden. Sie konnte sich beim Abnehmen zusehen, bekam Ausschlag vom Essen und hatte Erfrierungszustände. Die Beschwerden wurden immer schlimmer.

Nach mehreren Untersuchungen fand man heraus, dass die Lymphknoten in ihrer Lunge zu groß sind. Daraufhin kam Jasmina in eine Spezialklinik, in der sie der nächste Schock traf: in ihrem Oberschenkelknochen befand sich ein Tumor. Zunächst war klar, dass es eine Verbindung geben musste und Jasmina nicht mehr lange leben würde.

Trotz der schwierigen Situation blieb sie tough, beruhigte ihre Eltern und Freunde. Doch in ihr drin zerbrach nie fast daran, nicht zu wissen, wie es weiter gehen würde. Sie stellte sich Fragen, wer sich nach ihrem Tod um ihren Hund kümmern würde , wer bekommt ihren Nachlass?

Sie lief durch die Straße n und begann jeden um sein Leben zu beneiden. Wie schön es doch ist, am Leben zu sein! Man sollte jeden Tag genießen, wie er kommt!

Aber das Blatt wendete sich: Nach weiteren Tests kam heraus, dass der zwar Tumor gutartig, ihre Lunge aber von der Autoimmunkrankheit Sarkoidose befallen ist. Normalerweise gab es weniger schlimme Symptome bei den Patienten als bei Jasmina, weshalb die Diagnose für die Ärzte nicht so leicht herauszufinden war. Jasmina wird weiter leben! Heute nimmt sie jeden Tag Kortison, um die Krankheit unter Kontrolle zu halten.

Nach ihren langen Klinikaufenthalten sagte man ihr, sie würde nie wieder Sport machen können, geschweige denn Marathon laufen oder auch nur ansatzweise wieder so fit werden, wie sie einmal war.

Doch Jasmina ließ sich nicht entmutigen. Sie wollte sich zurück kämpfen und zeigen, dass sie alles erreichen kann. Sie hätte nicht der Welt beweisen müssen, dass sie sportlich wieder erfolgreich sein kann. Denn es wäre auch vollkommen in Ordnung gewesen, wenn sie ihr Leben aufgrund ihrer Krankheit ohne Sport fortgesetzt hätte. Jasmina WOLLTE sich aber ihren Weg als Athletin zurück erkämpfen, weil das ihre Natur ist und weil sie an das Gute glaubt. Natürlich erwartet sie nicht, dass jeder das versteht. Aber sie ist eine unverbesserliche Optimistin und glaubt an ihre Kraft.

Sie begann mit ganz kleinen Schritten. Jeder Meter, den sie lief, war ein Erfolg. Egal, wie schwer ihr dieser fiel. Sie hörte nicht auf zu kämpfen. Aus Metern wurden die ersten Kilometer, aus 2 Kilometern wurden 10 und sie kam langsam aber sicher zurück.

Sie sagt von sich, dass sie wohl nicht mehr so fit sein wird, wie sie einmal war. Ich denke, sie ist auf einem guten Weg.

Für Jasmina ist besonders wichtig, wie sie heute im Vergleich zu vorher mit ihrem Leben umgeht:

Bevor sie wusste, wie krank sie ist, suchte sie nach dem Sinn des Lebens. Irgendetwas, wozu sie geboren wurde.

Doch jetzt weiß sie, wie nah sie dem Tod war und wie wertvoll jeder einzelne Tag ist. Sie möchte die Dinge annehmen wie sie kommen, das Beste aus jeder Situation machen, so zufrieden wie möglich und der Welt etwas zurück geben.

Während unseres Interviews haben wir uns die Frage gestellt, was wir tun würden, wenn heute der letzte Tag unseres Lebens wäre. Jasmina würde genau das tun, womit sie aktuell ihre Zeit verbringt: morgens mit ihrem Hund raus gehen, ein paar Stunden an ihrer Thesis schreiben, mit ihren Eltern telefonieren, mit ihren Leuten vom Run Squad Cologne eine Runde laufen zu gehen.

Und das halt ich persönlich als das Erstrebenswerteste der Welt. Zu tun, was einen glücklich macht. Jeden einzelnen Tag. Wie viele können das von sich behaupten?

Was macht Jasmina heute? Wie bereits erwähnt, sie kann Leute begeistern, mitziehen und motivieren. Sie nutzt diese Stärken und gründete den Run Squad Cologne, eine Laugruppe, die sich mehrmals wöchentlich trifft, um gemeinsam ihrem Hobby nachzugehen. Dort trainiert auch ihr Lauf Coach, der ihren Trainingsplan schreibt. Jasmina geht aber nicht nur laufen. Das Sportass fährt Rennrad, macht Rückengymnastik und macht vielseitiges Bodyweight Training.

Sie läuft zweimal pro Woche mit ihrem Run Squad und weitere 4 Tage noch nach ihrem Plan. Aber sie hört dabei auf ihren Körper, denn sie weiß, die Gesundheit ist das Wichtigste, was sie hat.

Wie viele von uns hat auch Jasmina Ziele für das Jahr 2019: Sie möchte neue Bestzeiten im Halbmarathon und Marathon aufstellen!

Ich wünsche ihr dabei und bei allen anderen Zielen das Allerbeste und verfolge ihren Weg weiter mit.

Text: Isabel Liehmann

Mehr Interviews mit spannenden Menschen findet ihr in unserem wöchentlichen Podcast.

 
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