Wie wir berufliche und private Ziele miteinander vereinen
und dabei erfolgreich sein können.

Kann man Erfolg lernen? Und wenn ja, was machen erfolgreiche Menschen anders? Grundsätzlich kann man festhalten, dass sie an das Gute glauben und ihrem Weg vertrauen. Erfolgreiche Menschen haben eine Gewinnereinstellung. Man hat nichts zu verlieren. Ann-Kathrin Burmann ist so eine Gewinnerin. Jedes Mal, wenn ich sie sehe, stahlt sie über das ganze Gesicht, als wäre sie gerade frisch aus dem Urlaub gekommen. Sie hat immer gute Laune und ist ein wahrer Sonnenschein. Ann-Kathrin hat allerdings gar nicht so viel Zeit für Urlaub und ist stets sehr beschäftigt, denn sie hat zwei Jobs und ist in beiden sehr erfolgreich. Sie ist ein international gefragtes Model und arbeitet als Bauingenieurin bei den Berliner Wasserbetrieben. Zwei unterschiedliche Welten, die da aufeinander treffen und zwischen denen Ann-Kathrin jeden Tag die Balance halten muss. Wie sie es schafft, dabei ihre beruflichen und privaten Ziele zu verfolgen, erzählt sie uns im Interview.

Wie lange modelst du schon?
Puhhh – das sind inzwischen schon 11,5 Jahre. Wow die Zeit vergeht.

Wie kam es dazu?
Ich wurde ganz klassisch von einem Scout/Modelbooker angesprochen. Sie arbeitet selbst als Model, eine Zeit lang als Bookerin und inzwischen fotografiert sie auch. Sie ist bis heute meine „Modelmama“ und wir haben weiterhin Kontakt.

Du hast Bauingenieurwesen Dual bei den Berliner Wasserbetrieben studiert. Wie kamst du dazu, diese untypische Richtung einzuschlagen?
Ich persönlich finde sie gar nicht untypisch. Nach dem Abi wollte ich ein Jahr „Work & Travel“ machen, aber meine Eltern bestanden darauf, dass ich mindestens 2 Bewerbungen für ein duales Studium schreibe, allerdings hatte ich eher Wirtschaftsingenieurwesen auf dem Schirm. Ich bin absolut sprachunbegabt, daher hatte ich bereits in der Schule Chemie LK und Technik als Wahlpflichtfach. Mein bester Freund hat zu dem Zeitpunkt allerdings schon sein duales Studium bei den Wasserbetrieben absolviert und mich dahin eingeladen, um mir sein Berufsfeld zu zeigen. Dort wurde mir dann die Caisson Bauweise erklärt – d.H. man errichtet ein Gebäude z.B. ein Pumpwerk oberirdisch und senkt es dann kontrolliert in den Untergrund ab. Ich fand das irgendwie faszinieren und auch cool bei dem Job das reale Bauwerk als Resultat seiner Arbeit zu haben. Also hatte ich mich beworben und ich konnte eine der 5 dualen Studienplätze ergattern.

Welche Herausforderungen kamen am Anfang des Studiums auf dich zu?
Haha daran erinnere ich mich gern zurück. Wir mussten im ersten Semester ein Praktikum auf dem Lehrbauhof machen und mussten einige der klassischen Bauberufe lernen. Maurer, Trockenbau, Stahlbetonarbeiten! Ich war zu dem Zeitpunkt zarte 19 Jahre, frisch mit dem Abi fertig und stand plötzlich im Blaumann im Winter auf dem Bauhof und sollte körperlich arbeiten. Es war unfassbar anstrengend und arschkalt! Rückblickend war es eine äußerst positive Erfahrung, um genau diese Arbeiten wertzuschätzen.

Weiterhin waren die Prüfungen eine Herausforderung. Anders als normale Studenten, kann man im dualen Studium keine Klausuren schieben d.H. 5-7 Klausuren in 1 Woche. In Mechanik und Tragwerksplanung bin ich oft genug durchgerasselt, sodass ich sogar bis in den Drittversuch musste und mein Studium komplett auf der Kippe stand.

Bauingenieurin ist ein Job, der eigentlich eine typische Männerdomäne darstellt. Wie hast du das empfunden?Das ist gar nicht mehr so wie alle denken. In der Bauleitung dominieren aktuell schon noch Männer, allerdings sind inzwischen extrem viele Frauen in der Planung unterwegs. Gefühlt wird man trotzdem noch als Frau unterschätzt und man muss sich etwas mehr beweisen. Man sollte in der Branche trotzdem nicht auf den Mund gefallen sein und muss schon ein bisschen Humor haben.

Du bist ja nicht nur Bauingenieurin, sondern auch Topmodel und international gefragt. Wie lassen sich diese beiden Jobs miteinander verbinden?
Topmodel leider noch nicht, aber 2018 lief definitiv super. Ich arbeite im Gleitzeitmodell ohne Kernzeit und inzwischen in Teilzeit mit 30h. Also kann ich kommen und gehen wann ich möchte, solange ich meine Stunden absolviere und die Projekte laufen. Außerdem habe ich super Kollegen die im Worst-Case mir den Rücken freihalten und einen tollen Teamleiter der mir Freiheiten gibt. Mein Glück ist auch, dass die Bau- und Shootingsbranche sich in den Zeiten unterscheiden. Ich lasse mich bei Shootings mit mehreren Models immer so spät es geht beim Hair & Makeup eintakten, sodass ich oft von 6-10 Uhr noch im Office bin und erst 10.30 Uhr am Set.

Wie schaffst du es, dir in beiden Jobs Ziele zu setzen und dich bei der Erreichung dieser nicht unter Druck zu setzen?
Ich habe im letzten Jahr lange überlegt einen klaren Cut zu ziehen, das Modeln an den Nagel zu hängen und auch das Unternehmen zu wechseln. Aktuell würde mich aber keiner der beiden Jobs alleine glücklich machen. Ich habe mich früher extrem unter Druck gesetzt, sei es durch das Erzielen von Bestnoten im Studium oder beim Modeln. Auch wenn es nach außen nie so gewirkt hat – innerlich war ich einfach unsicher und unglücklich. Bei „Sportmodel“ denkt jeder, dass man 365 Tage perfekt in Shape ist und man nur gesunde Sachen isst. Mir ist es schwer gefallen „Nein“ zu sagen und ich wollte durch das Tracking von Essen die 100%ige Kontrolle über meinen Körper.

Letztendlich habe ich mich 2016 für ein Auslandssemester in Dänemark entschieden, was mir extrem geholfen hat mich selbst zu finden, viel über mich zu lernen, mich persönlich weiter zu entwickeln, komplett weg von dem gewohntem Umfeld und dem Alltag zwischen Büro, Uni, Castings und Jobs. Ich bereue es, sowas nicht schon viel früher gemacht zu haben. Inzwischen bin ich überglücklich und frei von jeglichem Druck, ich habe gelernt Nein zu sagen und esse inzwischen das worauf ich Bock habe.

Wo möchtest du beruflich noch hin?
Das ist eine gute Frage, die ich mir momentan selbst nicht so ganz beantworten kann und versuche herauszufinden. Ich bin aber offen für eine Führungsposition und möchte bei der Digitalisierung der Baubranche mitwirken. Auf der anderen Seite würde ich außerdem mehr in Richtung Aufklärung im Bereich von Abwasser und Müll arbeiten, da der Durchschnittsbürger sich dafür null interessiert aber es so unfassbar wichtig für den Umwelt- und Klimaschutz ist – sei es Aufklärung an Schulen oder im Bereich Social Media.

Wenn du privat Zeit für dich hast, wie nutzt du diese?Dann verbringe ich gerne Zeit mit Familie oder Freunden und kombiniere das gern mit Sport.

Welche sind deine privaten Ziele und wie schaffst du es, diese nicht zu vernachlässigen? 
Privat hätte ich natürlich gern in den nächsten 5 Jahren Haus, Mann, Kinder und möchte davor noch einmal um die Welt (oder auch die halbe). Kurzfristig ist mein Ziel allerdings meine Schlafgewohnheiten zu ändern, da ich meistens nicht mehr als 6,5 Stunden schlafe. Ansonsten gibt es natürlich noch das ein oder andere sportliche Ziel.  

Was tust du, wenn du es nicht schaffst, eins deiner Ziele zu erreichen?
Gute Frage – mein Motto ist es immer nicht zu verbissen an eine Sache ranzugehen. Wenn mal was nicht klappt, dann öffnet sich woanders eine Tür. Alles hat irgendwie einen Grund.  

Welche Projekte machst du außer deinen Jobs noch?
Viel Sport 🙂 Ansonsten habe ich eine Zeit lang mich ehrenamtlich bei Ingenieure ohne Grenzen e.V. engagiert. Momentan bleibt dafür aber leider keine Zeit. Da ich aber noch einige Monate Sabbatical machen kann und will, wollte ich einige Wochen dafür nutzen um ein soziales Projekt in Richtung Meeresumwelt zu unterstützen. 

www.rubenelstner.com

 

Was tust du, um dich auf schwierige Situationen im Job vorzubereiten?
Um ehrlich zu sein nichts! Selbstvertrauen und Spontanität.

Du bist eine sehr erfolgreiche Frau: Welche Tipps hast du, um erfolgreich zu sein und nicht auszubrennen? Wie hältst du die Balance zwischen Job und Privatleben?
Danke erstmal für das Kompliment. Organisation und Effizienz ist das A und O um alles unter einen Hut zu bekommen. Das „Eat the frog“ Prinzip kann sehr hilfreich sein. Berlin ist riesig, man fährt viel und lange hin und her und zusätzlich bin ich für Shootings auch viel in Deutschland unterwegs. Da ich im Auto, Bahn oder Flugzeug nicht schlafen kann, nutze ich die Wegzeiten um zu arbeiten. Im Auto erledige ich oft Anrufe, im Nahverkehr Mails auf dem Handy, und im ICE oder Flugzeug arbeite ich mit dem Laptop diverse dinge ab. 

Ich versuche mir aber gezielt Auszeiten zu nehmen. Meine Regel: Jedes zweite Wochenende einen Spätnachmittag-Abend komplett alleine ohne Termine oder Freunde. Im Sommer fahre ich gern an freien Wochenenden ans Meer. Ich bin ein absoluter Oceanholic und auch 2019 habe ich mir als Ziel gesetzt mehr am Meer zu sein, um mich beim Kitesurfen zu verbessern.

Vielen Dank für das spannende Interview! Ich finde, Ann-Kathrin ist eine sehr inspirierende Persönlichkeit, von der ich und ich denke, ganz viele Menschen eine Menge lernen können. So viel positive Energie und Tatendrang ist sehr beeindruckend! Mehr über Ann-Kathrin findest du hier.

Mehr Interviews mit spannenden Menschen findet ihr 
in unserem wöchentlichen Podcast.

 
Zurück zum Blog