Du willst Stress? - Nicht mit mir!
Meine Tipps für mehr Gelassenheit

Es ist Ende November. Weihnachten und das Ende des Jahres stehen quasi vor der Tür. Vielleicht hat der ein oder andere sogar schon die ersten Weihnachtsgeschenke (oder alle?) besorgt. Vielleicht machst du es aber auch erst am Abend des 23. Dezembers. Wir sind alle unterschiedlich und reagieren anders auf Stress. Auch als Yogi ist man nicht automatisch immer ausgeglichen und entspannt. Als Yogalehrerin erst recht nicht. Natürlich haben wir eine Vorbildfunktion und ich versuche meinen Schülern immer die größtmögliche Portion Gelassenheit mitzugeben. Auch wenn mein eigenes Leben in diesem Moment gerade ein chaotisches Durcheinander ist. Als Yogalehrerin wird von mir erwartet, dass ich Entspannung ausstrahle. Und tatsächlich: wenn ich mit Menschen arbeite, egal ob im Personal Training, in Gruppenkursen oder im Yoga Unterricht, bin ich entspannt. Weil ich das tue, wovon ich immer schon geträumt habe und, weil ich es liebe, Menschen Bewegung beizubringen. Aber trotzdem kann mein Leben nach dem Kurs wieder stressig sein. Ich versuche es nur für eine gewisse Zeit auszublenden, dass ich danach noch 1000 Dinge zu tun habe.

Doch wie geht man mit Situationen um, in denen man so viel zu tun hat, dass sogar auf die Uhr zu schauen, einen aus dem Zeitplan bringt?

„Bleib cool“ oder „Entspann’ dich doch mal“ sind immer leicht gesagt und oft gut gemeinte Ratschläge. Aber auf Knopfdruck geht das meist genauso gut, wie in die Kameralinse zu lächeln. Nämlich gar nicht oder nur gekünstelt. Gibt es eigentlich Menschen, die in der richtigen Welt leben und dauerentspannt sind? Gibt es Leute, die nicht Meditationsübungen machen oder in Yogaklassen gehen, um dort Ruhe und Entspannung zu finden, weil sie einfach immer relaxt sind?

Vielleicht bist du ja einer von denen. Dann melde dich bitte bei mir und verrate mir dein Geheimnis.

Aber den meisten von uns geht es ja so, dass wir mit Entspannungstaktiken versuchen, unsere innere Balance zu halten. Wir buchen uns Massagen, Wellness Wochenenden oder lernen neue Techniken wie autogenes Training, um zu lernen, im Alltag entspannter zu sein.

Und natürlich kann das zeitweise helfen. Doch dann gibt es Tage, an denen läuft einfach alles schief und man wünscht sich, lieber im Bett geblieben zu sein.

Wie soll man da bitte entspannt bleiben und in jeder Situation die Ruhe bewahren?

Auch ich komme in Situationen, in denen ich ausrasten könnte und sicherlich auch mal in einer Art reagiere, die mir später leid tut. Und das tut jeder, wir sind alle Menschen.

Aber tatsächlich hat mir meine Yogalehrer Ausbildung geholfen, in Situationen ruhiger zu bleiben. Ein Beispiel: vor einiger Zeit blieb die Tram stehen, weil eine ältere Dame einen Schwächeanfall hatte und die Fahrt erst weiter ging als der Notarzt die Frau mitnahm. Ich kam natürlich über eine halbe Stunde zu spät zu meinem Termin. Aber ich saß da und konnte nichts an der Situation ändern. Ich überlegte noch, ob ich lieber laufe, worauf ich aufgrund des stürmischen Regens aber dann doch keine Lust hatte. Also sagte ich bei meinem Termin Bescheid, dass ich mich verspätet würde und versuchte etwas Positives an der Situation zu finden. Wenn man nämlich mal gezwungen ist, nichts zu tun, hat man Zeit über Dinge nachzudenken, für die man sonst am viel zu vollen Tag keine Zeit hat. Im Yoga nennt man so etwas „Lila“, das göttliche Spiel. Man soll das Leben nicht so schwer nehmen, denn alles, was passiert, hat seinen Grund. Wenn wir das akzeptieren können – und das ist sicher nicht immer leicht – gehen wir automatisch entspannter mit Situationen um, die wir nicht ändern können wie z.B. Stau, Warteschleifen am Telefon oder wenn etwas einfach ohne Vorwarnung kaputt geht.

Wie können wir also lernen, gelassener zu sein?

  • Einmal tief durchatmen

Das klingt vielleicht schon etwas zu einfach und banal, aber meist sind es genau die einfachen Dinge, die am meisten Wirkung zeigen.

Es ist schon längst wissenschaftlich belegt, dass die Atmung des Menschen maßgeblich mit seinem Stresslevel zusammenhängt. Menschen die Angst haben und im Stress sind, atmen flacher. Anhand deines Atems kann sogar gemessen werden, wie dein momentaner Gemütszustand ist. Und da du deinen Atem kontrollieren kannst, kannst du mit ihm auch direkt deinen Gemütszustand kontrollieren.

Wenn du das nächste Mal in eine stressige Situation gerätst, musst du sie zuerst bewusst wahrnehmen und erkennen. Das ist manchmal vielleicht nicht so einfach, aber man merkt ja in der Regel, wenn man gestresst ist. Stell dich ganz aufrecht hin. Kinn nach oben, Brust raus, Schultern lockerlassen. Und dann nimm ganz bewusst 5 tiefe Atemzüge. Lass dir dabei bitte genügend Zeit. Atme tief durch die Nase ein und zähle dabei bis sechs. Dann atmest du durch den Mund wieder hinaus und zählst dabei bis acht. Damit beruhigst du deinen Körper. Dass Körper und Geist unmittelbar miteinander verbunden sind, ist fast jedem klar. Du konditionierst deinen Körper mit dieser Atemmethode außerdem dazu, in stressigen Situationen sofort wieder auf Gelassenheit zu „schalten“. Es ist tatsächlich sehr schwierig, Stress zu verspüren, wenn du deinen Atemrhythmus ruhig hältst.

  • Mache dir bewusst, dass Stress deine eigene Entscheidung ist.

Vielleicht ist es dir nicht bewusst, aber wenn du gestresst bist, dann hast du selbst dich dafür entschieden. Natürlich liegt es auch immer irgendwie an der Situation. Denn wenn alles tutti ist, fühlt man sich ja auch nicht gestresst.

Kennst du das, wenn dich jemand anrempelt und dich dann noch blöd anmacht und rummotzt?

Natürlich ist das keine schöne Situation, aber dafür Energie verschwenden und sich aufregen? Wozu? Einmal tief durchatmen und gelassen bleiben ist hier die Lösung.

  • Gelassenheit heißt Loslassen.

Aber woran halten wir uns überhaupt fest?

Wir glauben, dass wir dies oder jenes brauchen, um glücklich zu sein. Und erst, wenn wir es haben, sind wir zufrieden. Dies gilt nicht nur für materielle Dinge, sondern auch für Ziele. Unsere Erwartungen an uns selbst und unser Perfektionismus steht uns oft im Weg. Wir sind gestresst auf der Suche nach der Erfüllung unserer Träume, denn nur dann können wir gelassen, zufrieden und glücklich sein. Wirklich? Dich frei zu machen von eigenen und fremden Zwängen, Erwartungen, Meinungen ist der Schlüssel für mehr Gelassenheit. Wir denken oft, was andere von uns halten. Sollte ich mich bei dem Event blicken lassen, auch wenn ich keine Lust dazu habe? Was denken die Leute, wenn ich nicht komme? Und schon habe ich wieder wertvolle Zeit an Gedanken verschwendet, die zu nichts führen, außer zu Stress. Einfach mal den eigenen und den Erwartungen anderer den unsichtbaren Mittelfinger zeigen und den unnützen Gedanken sagen, dass sie die Klappe halten sollen. Denn gelassen sind wir nur, wenn wir nicht gestresst sind.

  • Akzeptieren, dass man Dinge nicht ändern kann

Da passt das Beispiel von der alten Dame in der Tram. Natürlich war die Situation nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte. Aber nachdem ich akzeptiert habe, dass ich nichts daran ändern konnte, hatte ich die Möglichkeit, aus dem Warten etwas Positives zu machen. Denn wann haben wir in unserem vollen Terminkalender schon mal die Chance, einfach nur dazusitzen und zu träumen? Versuche also, nicht nur die Situation zu akzeptieren, sondern ihr auch nicht etwas Gutes abzugewinnen, denn nichts passiert ohne bestimmten Grund. Der einzige Moment, auf den du tatsächlich Einfluss hast, ist jetzt!

Natürlich ist Gelassenheit eine Übungssache und es gibt Dinge, die werden uns immer aus der Ruhe bringen. Und das ist auch gut so. Durch herausfordernde Zeiten können wir wachsen und Neues lernen. Deswegen lass’ es nicht in Stress ausarten, sondern übe einfach und nähere dich Stück für Stück, Situation für Situation und werde mit der Zeit gelassener.
Text: Isabel Liehmann

Mehr über Gelassenheit, Mentales Training und Balance erfahrt ihr in unserem wöchentlichen Podcast.

 

 

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