Lisa-Marie Schweizer’s Debut bei der Weltmeisterschaft

Wer kennt ihn nicht, den Traum, über Nacht erfolgreich und bekannt zu werden?

Dass dieser Traum meist mit viel harter Arbeit, Tränen und Zweifeln verbunden ist, wird oft übersehen. Aber wenn man ein großes Ziel hat und alles daran setzt, es zu erreichen, lässt man sich nicht unterkriegen. Auch wenn es nicht immer leicht ist und es Leute gibt, die einem Steine in den Weg legen oder nicht an deinen Erfolg glauben, solange du dran bleibst, bist du anderen immer einen Schritt voraus und du wirst dich deinem Ziel nähern.

So auch Lisa-Marie Schweizer. Die 23-jährige war Anfang November zum ersten Mal bei der Weltmeisterschaft im Olympischen Gewichtheben in Ashgabat/ Turkmenistan dabei und hat bewiesen, dass sie in der Lage ist, auf der ganz großen Bühne zu performen.

Ich verfolge ihren Weg schon länger auf Instagram und Co. und bewundere sie für ihre Einstellung zum Training und ihren Kampfgeist. Jetzt durfte ich sie für den myperformancecoaching Blog interviewen und war gerührt von so viel Ehrlichkeit, Authentizität und Positivität!

Photo Credit: Tim Scott @liftinglife, @eleikosport, @iwfnet

 

Frauen und Gewichtheben? Ja, das geht und der Hantelsport wird spätestens seit dem Aufkommen von CrossFit immer beliebter auch bei den Mädels.

Ich selbst versuche mich auch daran und freue mich, euch heute eine großartige Athletin vorstellen, die es geschafft hat, nicht nur stark zu werden, sondern dabei auch noch kein Stück ihrer Weiblichkeit zu verlieren.

Das Interview mit Lisa veröffentliche ich für euch in einfachem Schreibstil, d.h. ich gebe in einem ganzen Text wider, was wir besprochen haben.

Lisa-Marie Schweizer studiert bis Mai 2019 bei der Polizei Rheinland-Pfalz und lebt in Landstuhl.

Sie trainiert aktuell an verschiedenen Orten. Bis Mitte diesen Jahres hob sie noch für den TSV Blau-Weiß 65 Schwedt/Oder. Sie wuchs dort auf und lernte mit 14 Jahren die Liebe zur Hantel kennen. Da Schwedt weit weg von Rheinland-Pfalz liegt, war es eine Frage der Zeit, dass sie den Verein wechselte. Seitdem hebt sie für den AC Mutterstadt, bei dem auch andere bekannte Gewichtheber wie Tabea Tabel und Max Lang trainieren.

Da Lisa aber oft zu Vorlesungen nach Frankfurt muss, trainiert sie dort einfach in der Turnhalle, wo es zwar nicht den nötigen Platz, aber dafür eine Abstellkammer mit etwas Equipment gibt. Klingt nicht nach einem glamourösen Trainingsort für jemanden, der bei der Weltmeisterschaft abräumt, aber so ist Lisa. Sie ist sehr ehrgeizig und wenn sie an ihr Ziel kommen möchte, tut sie dafür alles, was nötig ist. Seitdem sie 2012 ihr Studium bei der Polizei aufgenommen hat, trainierte sie mehr oder weniger allein und nach ihrem eigenen Trainingsplan. Sie trainierte vorher beim Bundestrainer in der Nationalmannschaft und nahm diese Erfahrung als Grundstein für ihr Training und arbeitete jeden Tag mehr oder weniger nach Gefühl an ihren Leistungen.

Diese Motivation muss man erstmal haben! Für die meisten ist es schon schwer genug, sich nach einem vorgegebenen Plan zu richten und den Biss zu haben, diesen nahezu täglich auszuführen. Aber sich selbst zu programmieren und dann auch noch an Dingen arbeiten, die einem wahrscheinlich weniger Spaß machen, weil es seine Schwächen aufzeigt, ist eine ziemlich beeindruckende Leistung!

Dass das nicht einfach ist, kann sich jeder vorstellen. Und in Zeiten, in denen es nicht so gut läuft, können Zweifel einem schon den Mut nehmen. Nicht so bei Lisa. Seitdem sie für den AC Mutterstadt hebt, lässt sie trotzdem Dennis Eichner ihr Training programmieren. Denn sie ist ja nicht nur Profi-Athletin, sondern möchte ihre Karriere bei der Polizei auch so gut wie möglich abschließen. Und die eigene Trainingsplanung kann nicht nur nerven- sondern auch zeitaufreibend sein. Dass ihre berufliche Laufband für sie wichtiger ist, zeigt sie auch, als sie von der Teilnahme der U23 Europameisterschaft im Gewichtheben zurücktrat, weil sie eine Prüfung hatte.

Und für diesen Wettkampf musste man sich seine Teilnahme mit einer Qualifikation hart erkämpfen! Lisa hob bei der Deutschen Meisterschaft 180kg im Zweikampf in der 63kg Gewichtsklasse. So sicherte sie sich den Startplatz bei der Studenten WM in Polen, bei welcher sie sich für die U23 Europameisterschaft qualifizierte.

Doch wer so viel Kampfgeist beweist, bekommt meist eine zweite Chance. Und die kam als der Bundestrainer David Kurch sie ansprach, beim Bundesliga Wettkampf gegen Durlach 200kg im Zweikampf zu heben. Sollte sie das schaffen, würde er sie mitnehmen zur Weltmeisterschaft.

Für die unter euch, die noch nicht allzu viel Erfahrung im Gewichtheben haben, scheinen 5kg nicht so viel zu sein. Aber in dieser Sportart ist jedes Kilo mehr auf der Hantel ein Riesenerfolg.

Lisa schien davon mehr motiviert als eingeschüchtert zu sein, denn die Chance wollte sie sich nicht entgehen lassen. Und sie kam, sah und siegte.

Lisa hob zwar schon bei diversen internationalen Wettkämpfen, aber Ashgabat war ihre erste Weltmeisterschaft.

Vor Beginn ihrer Reise war sie natürlich nervös, aber sie wusste, dass sie im Grunde heben konnte, was sie wollte. Sie hatte ihr Ziel ja schon erreicht und durfte zeigen, was sie kann.

Trotzdem wollte die ehrgeizige junge Frau auch auf der großen Bühne performen.

Sie schlief nur eineinhalb Stunden vor ihrem Auftritt und versuchte sich nicht von den Leistungen der anderen Mädels in ihrer Gewichtsklasse ablenken zu lassen. Sie fühlte sich nicht so erfahren und technisch sicher und glaubte, bei allen würde ein Lift wie der andere aussehen außer bei ihr.

Kennt ihr das? Diese Zweifel, wenn es so scheint, als würde alle um euch herum besser sein, obwohl ihr schon längst bewiesen habt, dass ihr eigentlich genauso gut seid?

Aber das zeugt davon, dass Lisa trotz ihrer beeindruckenden Leistung auf dem Boden geblieben ist und sich selbst auch mal in Frage stellt.

Beim Gewichtheben tritt man in zwei Disziplinen (Reißen und Stoßen) an und hat jeweils drei Versuche, in denen man das Gewicht auf der Hantel um mindestens 1kg steigern sollte. Lisa sollte im Reißen recht konservativ mit 85kg starten, doch ihre Aufwärmversuche liefen so gut, dass sie ihren ersten Versuch auf 88kg steigerte. Normalerweise hat man nach seinem Versuch kurz Zeit, sich im Warmup Bereich für den nächsten Lift mental vorzubereiten. Aber da bei der Weltmeisterschaft so viele Athleten gegeneinander antreten, zogen sich die Versuche hin. Lisa hatte sogar noch Zeit, einen Lift mit 85kg zu machen, um sich warm zu halten für ihren zweiten Versuch mit 91kg. Leider zog sie dabei etwas zu kraftvoll an der Hantel und sie flog nach hinten anstatt über ihrem Kopf zu landen. Man muss wissen, olympisches Gewichtheben ist eine Sportart, in der man mental sehr hart an sich arbeiten muss. Die Disziplin, jeden Lift mit akkurater Technik und Feingefühl zu absolvieren, muss man erlernen. Die Qualität, mit welcher der Athlet die Übung ausführt, erfordert höchste Konzentration. In einer Situation wie bei der WM, in welcher das Warten an den Kräften und Nerven zerrt, kann es schnell passieren, dass ein Lift daneben geht. Doch Lisa ließ sich nicht unterkriegen und verließ die Plattform mit einem erfolgreichen Versuch mit 91kg. Stoßen ist nicht ganz ihre Lieblingsübung, wie sie mir verriet. Doch auch da konnte sie mit 108kg auf der Hantel beweisen, was in ihr steckt.

Photo Credit: Tim Scott @liftinglife, @eleikosport, @iwfnet

Wie geht es jetzt nach so einem großen Wettkampf weiter? Urlaub und die Füße hochlegen?

Nein, Lisa arbeitet zielstrebig an ihrer Thesis und hat am vergangenen Wochenende schon wieder für ihren Verein in der Bundesliga gehoben.

Trotzdem gönnte sie sich nach ihrem Erfolg wieder Naschereien und Unternehmungen, für die vorher keine Zeit war. Denn wer fünf Mal pro Woche zwei bis zweieinhalb Stunden trainiert und dazu noch in seine Gewichtsklasse passen möchte, muss auch mal zurück stecken.

Übrigens: ihr Erfolgsgeheimnis ist selbstgebackenes Bananenbrot, welches sie bei jedem Wettkampf nach der Waage isst.

Ich bedanke mich bei Lisa für das tolle Interview und freue mich schon darauf, zu sehen, wie es bei ihr weiter geht. Sie wird definitiv weiter hart trainieren und sich bestimmt noch für viele weitere Internationale Wettkämpfe qualifizieren. Was ihr aber sicher noch nicht so bewusst ist: sie ist für viele – nicht nur für mich – ein großes Vorbild als Frau im Gewichtheben.

Mehr Interviews mit spannenden Menschen findet ihr in unserem wöchentlichen Podcast.

 
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