... und Yogis trinken ständig Smoothies."
Warum viele Klischees ihre Berechtigung haben und wie wir lernen,
mit Vorurteilen umzugehen

Viele von euch wissen, dass ich leidenschaftliche Yogini bin. Immer schon. Ich habe Yoga mit 18 Jahren gefunden, als der erste große Liebeskummer mich fast verrückt gemacht hat. Yoga hat mir gezeigt, dass Körper und Geist zusammen gehören und wie schnell man aus der Balance geraten kann. Aber ich habe auch gelernt, was es bedeutet, einen gesunden Körper zu haben und wie man lernt, in sich hinein zu horchen, um zu erkennen, wie es einem eigentlich so geht. Ich werde an dieser Stelle nicht in eine spirituelle Sphäre abtauchen, keine Angst.Durch meine berufliche und sportliche Laufbahn habe ich viele unterschiedliche Menschen kennen gelernt. Ich habe ein paar Jahre als Marketing Managerin in kleineren und größeren Firmen gearbeitet, mein Training aber dabei nicht eine Sekunde lang vernachlässigt. Gerade auf beruflichen Reisen war das nicht immer ganz so leicht, aber ich habe immer ein Gym, eine CrossFit Box oder zumindest eine Laufstrecke gefunden. Konnte keiner meiner Kollegen nachvollziehen. Das Schwierige für mich war aber nicht, um 4:30 Uhr aufzustehen, um die einzige CrossFit Box weit und breit aufzusuchen (und die war 1,5h Busfahrt entfernt), sondern mich zu rechtfertigen wegen meiner „Sportler-Angewohnheiten“: gesunde Ernährung, keine Drinks beim Business Dinner und den Geburtstagskuchen der Kollegin habe ich auch nicht angerührt. Natürlich sind das Klischees, aber ich erfülle viele davon und habe es immer schon getan.

Aber wer bestimmt eigentlich, was Klischees sind? Und was ist so schlimm daran Klischees zu erfüllen?

Egal, ob als Sportler, Yogi oder einfach jemand, der sich mit gesundem Leben auseinander setzt, man wird oft in eine Schublade gesteckt: Grüne Smoothies, Spaßbremse und Birkenstocks.

Jeder kennt Klischees, jeder wurde schon einmal mit Vorurteilen konfrontiert, jeder von uns wurde schon mal in eine Schublade gesteckt. Und das tun wir selbst auch! Wir kennen doch alle die Situation und beurteilen jemanden schon nach den ersten 30 Sekunden. Und das ist okay!

Vorurteile können uns helfen, jemanden einzuschätzen. Am Anfang steht immer eine Art Stereotyp: Frauen können nicht einparken, Professoren sind schusselig und noch viele andere. Man fasst Menschen in Gruppen zusammen. Ein völlig normaler, fast automatisch ablaufender Prozess. Denn so muss man über Dinge, die möglicherweise auf die große Mehrheit einer Gruppe zutreffen, nicht jedes Mal neu nachdenken.Dabei haben Klischees nichts mit der Realität zu tun. Sie sind ein Wahrnehmungsfehler, ein Aufmerksamkeitsphänomen. Klischees schaden dem sozialen Zusammenleben und kosten uns Nerven. Sie ganz loszuwerden ist leider nahezu unmöglich.

Aber wer weiß, wie sie funktionieren und unsere Eindrücke verzerren, kann lernen, damit umzugehen und womöglich bessere Entscheidungen über unsere Mitmenschen treffen.

Klischees und Vorurteile bilden sich schon früh, sie sind sogar Teil unserer Entwicklung.

Wenn Kinder von ihrer Umgebung lernen, die Welt zu verstehen, ordnen sie sie in Gut und Böse, Schwarz und Weiß ein. Das lernt man schon in Märchen und Kindergeschichten.

Das heisst, wir kennen es gar nicht anders als Menschen und Dinge in Schubladen zu stecken.

Wenn man sich dem einmal bewusst wird, kann man sich in Situationen, in denen man sich dabei erwischt, jemanden irgendwie abzustempeln, selbst hinterfragen. Denn ein Urteil ist schnell gefällt, sobald jemand anders aussieht, sich anders ausdrückt oder anders handelt als wir es gewohnt sind.

Ich meine, Klischees und Vorurteile haben sicher ihre Berechtigung und ein Fünkchen Wahrheit könnte schon dabei sein. Ich kann z.B. unglaublich schlecht einparken. Ausparken kann ich auch nicht. Aber nur, weil ich es nie übe und mich da sehr gern in meiner Komfortzone aufhalte. Wenn ich jetzt Zeit und Energie investiere, kann ich dieses Klischee besiegen und ins Gegenteil umkehren.

Und das kann man mit nahezu jedem Vorurteil auch machen. Nimm’ dir mal Zeit und schreibe alle Klischees auf, die auf dich zutreffen und dann überlege, wie du diese überwinden kannst. So merkt man selbst, wie oberflächlich es ist, Vorurteile zu haben. Sie sind nichts als eine Illusion unseres Gedankenkarussels und erschweren uns das Leben.

Wenn du die Aufgabe erfüllt hast, schreibe alle Menschen auf, denen du begegnet bist und in denen du dich getäuscht hast. Da sind sicher auch eine paar dabei, richtig?

Jetzt wissen wir, wie wir damit umgehen, wenn wir SELBST Vorurteile gegenüber Menschen haben. Aber was machen wir, wenn jemand uns in eine Schublade steckt?

Dazu gibt es unterschiedliche Theorien. Ignorieren steht bei vielen ganz oben auf der Liste: „Entweder die Person ist tolerant genug, um zu erkennen, dass Vorurteile nicht gut sind oder er/ sie ist mir egal.“ Man sollte dabei natürlich auch noch zwischen Vorurteil und Klischee unterscheiden.

Ein Vorurteil ist eine gefestigte Meinung, die schwierig ist zu ändern. Etwas, was vorschnell entsteht. Ein Klischee hängt mit Stereotypen zusammen, die durch unsere Gesellschaft in unseren Köpfen verankert ist, sich aber schneller umkehren lässt als ein Vorurteil.

Beim ersten Eindruck, den wir bei jemandem hinterlassen, können beide Arten auftreten.

Hier meine fünf Tipps, um mit Vorurteilen umzugehen:

  • Erkenne an, dass Vorurteile menschlich sind und jeder sie hat – auch du.
  • Sei dir bewusst, dass sich hinter den meisten Vorurteilen Angst und Unsicherheit verbergen.
  • Gib der Person die Chance, dass sie merkt, dass sie im Unrecht ist.
  • Bleib du selbst. Lass dich durch die Vorurteile anderer nicht einschüchtern oder verbiegen.
  • Ganz wichtig: Auf Vorurteile nicht mit Vorurteilen reagieren.

Du sieht, das Wort Toleranz wird hier groß geschrieben. Und da kann jeder bei sich anfangen und daran arbeiten. Wenn wir alle jeden Tag versuchen, ein bisschen toleranter zu werden, können wir in der Welt definitiv einen großen Beitrag leisten. Klingt idealistisch. Ist es auch. Aber auch davon fehlt der Welt ein bisschen – ohne hier in eine politische Diskussion einzutauchen. Fang’ an, dich und deine Umwelt positiver wahrzunehmen und du wirst sehen, wie sich viele Probleme von allein lösen.

Mehr über Zeitmanagement, Mentales Training und Erfolgscoaching erfahrt ihr in unserem wöchentlichen Podcast.

 
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