Warum wir lieber fokussiert sein sollten, als alles gleichzeitig machen zu wollen

Montagmorgen. Ich sitze an meinem Laptop, neben mir ein Block mit einer nicht enden wollenden To Do Liste. Kennt wahrscheinlich jeder. Ich bin da gern oldschool unterwegs und mache meine Listen mit Stift und Papier, weil ich es liebe, abgeschlossene Aufgaben durchzustreichen.

Neben jemand anderem liegt vielleicht das Smartphone mit der offenen Productivity App.

Egal, ob als Marketing Manager, als Buchhalter oder Praktikant, Fakt ist: Wir haben alle viel zu tun. Und wenn eine To Do Liste abgearbeitet ist, wartet schon die nächste.

Ein nicht enden wollendes Hamsterrad. Der einzig sinnvolle Ausweg: Multitasking?

Was ist Multitasking und warum macht man das überhaupt? Beim Multitasking verrichten wir mehrere Aufgaben gleichzeitig. Während wir also am Laptop unsere morgendlichen Analysen machen, laufen nebenbei die Nachrichten, damit wir auch nichts Wichtiges verpassen und vielleicht scrollen wir sogar noch auf dem Smartphone durch unseren Instagram Feed. Klingt stressig, immer alles mitnehmen zu wollen, ohne etwas zu verpassen. Gründe dafür gibt es viele.

Der Chef, der einem mit Deadlines im Nacken sitzt. Die Freizeitaktivitäten, die wir unbedingt nach der Arbeit schaffen möchten und dann wollen wir natürlich auch noch außerordentlich gut in dem sein, was wir tun. Denn Erfolg ist ein entscheidender Faktor in unserer heutigen Gesellschaft. Ohne Erfolg verdienen wir kein Geld, sind weniger attraktiv für andere und weniger glücklich.

Und das alles soll Multitasking möglich machen.

Doch Multitasking kann tückisch sein: Wir vergessen Dinge, verlieren den Fokus, werden unkonzentriert und unzufrieden, weil sich bei unseren Aufgaben Fehler einschleichen. Das löst Stress aus, macht uns müde und lässt uns immer wieder den gedanklichen Faden verlieren.

„Was wollte ich gerade machen?“. Klassiker.

In Wirklichkeit ist Multitasking nämlich nicht die Lösung, sondern das Problem. Was wir alles schaffen könnten, wenn wir einfach lernen, wie wir uns auf eine Sache konzentrieren und abarbeiten, statt alles gleichzeitig machen zu wollen. Multitasking könnte eigentlich ziemlich positiv gesehen werden. Denn wer das drauf hat, kann eben alles auf einmal machen, oder?

2009 wurde in Stanford eine Studie durchgeführt, bei der Multitaskern und Nicht-Multitaskern verschiedene Aufgaben gestellt wurden. Das Ergebnis: Die Multitasker schnitten in Sachen Aufmerksamkeitsspanne, Erinnerungsvermögen und der Fähigkeit, Dinge nacheinander abzuarbeiten, wesentlich schlechter ab als die Nicht-Multitasker.

Wie lerne ich, mich zu fokussieren?

Fokussieren kann man lernen. Letztlich verhält es sich mit dieser Fähigkeit wie mit einem Muskel: Wer regelmäßig damit übt, wird (mental) stärker und sieht auch bald schon Ergebnisse.

Ich möchte hier ein paar Übungen vorstellen, die man trainieren kann, um sich besser zu konzentrieren und bessere Ergebnisse zu liefern.

Ziele setzen

Setze dir für deine Aufgabe ein klares Ziel. Ziele sollten SMART sein. Formuliere also dein Ziel genau (S – spezifisch) und definiere ein Erfolgskriterium (M – messbar). 

Das Ziel soll dich mit positiver Vorfreude erfüllen, mache es also attraktiv und erreichbar (A – aktionsorientiert, attraktiv). Stecke dir ruhig ein hohes Ziel, aber vergiss nicht, dass du Teilziele formulieren solltest, um kleine Erfolge zu feiern und deine Motivation bei Laune hältst (R – realistisch). Setze dir eine Deadline (T – terminiert).

Räum’ auf

Der Arbeitsplatz sollte weitgehend sauber und ordentlich sein. Schaffe alles, was dich ablenken könnte weit weg. Wenn du jemand bist, der sich mit putzen von der Arbeit abhält, schrubbe die Wohnung bis ins kleinste Eck BEVOR du dich an deine Aufgaben setzt.

Pausen

Plane dir genug Pausen ein. Jeder ist da anders. Pausen sind sehr wichtig, wenn es um fokussiertes Arbeiten geht. Nur wer regelmäßig Pausen macht, kann über lange Zeit produktiv und effizient arbeiten.

Wie sieht deine Pausengestaltung aus? Machst du geplante Pausen? Oder pausierst du, wann immer du es für richtig hältst?

Das Problem bei der Pausengestaltung ist ein Ähnliches wie beim regelmäßigen Trinken: Wenn das Durstgefühl erstmal da ist, dann ist es in der Regel schon zu spät. Machst du also erst Pausen, wenn du dich schon erschöpft fühlst, wirst du deine Konzentration kaum noch auf ein ansprechendes Niveau bekommen. Wenn man sich also 5 Stunden Zeit für eine Aufgabe nimmt, sollte man spätestens alle 90 bis 120 Minuten eine kurze Pause einplanen, um sich die Füße zu vertreten, frische Luft zu schnappen oder ein paar Schritte zu gehen. Das kann auch eine Art der Motivation sein.

Setze dir feste Fokus Zeiten

Halte dir Zeit frei für die Aufgaben, für die du einen hohen Fokus brauchst. Das geht, wenn du solche Zeiten in deinen Kalender einträgst und diese Termine genauso ernst nimmst wie andere Termine auch. Sie beginnen und enden also pünktlich. 

Was aber, wenn alle diese Dinge gut geplant sind und etwas Unvorhergesehenes passiert? Ein Anruf, den man nicht ignorieren kann, der klingelnde Nachbar oder ein wichtiger Termin, der sich dazwischen schiebt. All’ das kann die zielgerichtete Planung zunichte machen und unser mühevoll aufgebauter Fokus ist dahin.

Wenn das passiert, schreibe dir stichpunktartig nieder, was dir noch durch den Kopf gegangen ist. So fällt es dir nach der Unterbrechung leichter, die Arbeit zu einem späteren Zeitpunkt fortzuführen und die Konzentration sofort wieder zu steigern.

Wichtig ist, trotz einer Unterbrechung nicht in eine Art Panik zu verfallen, dass man die Aufgaben, die man sich vorgenommen hat, nicht mehr in der geplanten Zeit schafft. Manchmal ist eine „gezwungene“ Pause auch etwas Gutes, damit man seine Gedankenfäden entwirren und neu zusammen setzen kann. Auch die Angewohnheit, nach der Pause multitaskingmäßig mehrere Dinge parallel zu bearbeiten, sollten wir lieber sein lassen.

Stück für Stück unsere Teilziele erreichen und die To Do Liste abarbeiten lautet auch hier die Devise. Multitasking ist einfach, denn wir müssen uns nicht wirklich mit den Dingen beschäftigen, die gerade wichtig für uns sind. Zu versuchen, alles gleichzeitig zu machen, ist also kein Segen, sondern eher ein Fluch. Denn die Gefahr, unser eigentliches Ziel inklusive der Teilziele aus den Augen zu verlieren, ist groß. Vielleicht erkennt sich der ein oder andere wieder und lernt, wie man sich leichter fokussieren kann.

Text: Isabel Liehmann

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