Ein Gastbeitrag von Ricarda über ihr Laufziel 2019

Ich habe mich in letzter Zeit viel mit dem Thema Ziele und Zielverfolgung beschäftigt. Nicht unbedingt wissenschaftlich, sondern eher im Selbstversuch. Mit mir selbst.

Gerade ein Neues Jahr oder besser gesagt ein Jahreswechsel stimmt einen ja immer dazu ein sich neue Ziele zu setzen und ermutigt uns diese auch zu verfolgen. Und da war jetzt 2019. Der erste Januar 2019 und der Geist schrie immer mehr nach neuen Zielen. Weil man das anscheinend eben so macht. Weil man durch die Medien darauf getrimmt wird. Vorsätze hier, Vorsätze da. Nimm dir was vor. Schaff es diesmal. Auf der anderen Seite aber auch: Nur ein Hauch, ach was…weniger als ein Hauch, ein Häuchchen, der Menschen halten ihre Vorsätze und Ziele ein. Auf der einen Seite soll, MUSS, man sich aber dann doch wieder Ziele setzen, aber man erreicht sie nicht? Ein Hin und Her. Völlige Überforderung. Coole Sache! Motivation pur. Nicht.

Aber gut, nehmen wir mal an, wir wollen uns jetzt Ziele setzen und blenden das Dilemma dahinter aus. Dann muss man ja erstmal irgendwo anfangen. Sport? Persönlichkeit? Beziehung?

Nehmen wir mal den Sport als Thema heraus. Schien mir am einfachsten. Dieser unterteilt sich bei mir eigentlich in zwei Hauptthemen: CrossFit und Laufen. Letztes Jahr lag mein Fokus sehr bei CrossFit und ich habe das Laufen ein wenig vernachlässigt und nicht mehr so intensiv wie die Jahre zuvor betrieben. Mir machte es in diesem Moment einfach mehr Spaß und es war einfach mal was anderes. Jahrelang bin ich gelaufen und hatte öfters Probleme mit der Hüfte und anderen kleinen Verletzungen aufgrund von zu wenig Muskulatur für die Beanspruchung und natürlich zu wenig Mobilität. CrossFit half mir sehr dabei und ließ mich letztendlich auch wieder schmerzfrei laufen. Dafür bin ich, um das auch hier mal festzuhalten, sehr dankbar. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich die Lust auf Laufen und den Spaß daran wiedergefunden habe und 2019 meinen Fokus wieder auf das Laufen legen mag, was nicht heißt, dass ich kein CrossFit mehr machen werde.

Gut, also betrachten wir hier weiter das Thema Laufen. Was für Ziele möchte ich mir hier setzen? Eine neue Bestzeit? Eine andere Distanz (also alles über Marathon Distanz)? Mehr laufen? Ein Kilometer-Ziel in 2019? So viele Fragen. Doch keine richtige Antwort. Ich habe keine richtigen Anhaltspunkt gefunden die für mich passenden Ziele festzulegen. Wie auch? Letztes Jahr habe ich ja nicht den Fokus auf das Laufen gesetzt und hatte so nichts, woran ich mich orientieren konnte. Die Jahre davor gelten nicht, wurde mir mal gesagt.

Ich habe hin und her überlegt, wo ich anfangen soll und vor allem dann auch was genau für eine Zahl dann da stehen soll, die realistisch ist, aber auch nicht zu leicht zu erreichen, sodass ich mich herausfordern muss. Denn wie wir alle ja bekanntlich wissen müssen unseren Ziele auch dann immer noch SMART sein. Spezifisch. Messbar. Akzeptiert. Realistisch und Terminiert. Ok wow. Alles klar. Noch mehr Überforderung. Aber gut, wir wären ja keine Sportler, wenn wir keine Herausforderungen annehmen würden. Schauen wir uns doch mal meine Kilometer-Ziel in 2019 an. Herrlich einfache Zahl. Steht ja immerhin nur eine dann da, die man erreichen muss/kann/soll/will?

Absolut wahllos mit 1000 km gestartet. 1000 km im Jahr, das sind 20 km die Woche. 86 km im Monat. Ist spezifisch. Ist auch messbar (ich tracke hier meine Läufe). Akzeptiert. Was zur Hölle meinen die mit akzeptiert? Realistisch? Ja auf jeden Fall. Und Terminiert ist es auch: in 2019. Passt. Passt nicht? Sieht irgendwie so „leicht“ aus. Nochmal ändern? Ok, gucken wir uns 1500 an. 30 km in der Woche, 132 km im Monat. Puh, ist irgendwie ambitioniert. Könnte man schaffen, hab ich großen Respekt vor. Lassen wir die 1000 km erstmal stehen, man will sich ja nicht sofort zu sehr unter Druck setzen. Gott bin ich eine Pussy.

Schauen wir uns Distanz und Bestzeit an. Ich habe absolut keinen Plan. Ehrlich. Distanz kommt für mich über Marathon ERSTMAL nicht in Frage, nur wenn es sich mal ergibt.

Bestzeit? Wäre schön erstmal zu wissen, was ich überhaupt noch so laufen kann. Tja, irgendwie bitter. Bleiben mir wohl erstmal nur die 1000 km. Irgendwie ernüchternd.

Ich habe sogar Instagram gefragt, was für Tipps die Leute so haben. Einen Tipp fand ich besonders spannend: „ich setze mir Ziele, wo ich ganz genau weiß das werde ich nie erreichen, nicht in drei Jahren und verfolge das aber und neue Bestzeiten kommen dann von alleine.“ Spannend aber erfordert auch eine Menge an Selbstdisziplin und ist nichts für Leute, die schnell frustriert sind.

Aber es kann doch nicht sein, dass man keine Ziele hat oder? Oder wenig? Oder nicht so ambitionierte? Was wäre denn, wenn man gar keine Ziele hat? Was wäre denn, wenn man sagt: ich mach was, weil es mir Spaß macht und schau mal was passiert. Boom. Das hat irgendwie gesessen. Wäre ja mal was ganz neues. Einfach mal so etwas machen, was einem Spaß macht, weil es einem Spaß macht. Spaß. Leute! SPAß!!! Ohne Druck und Ziele (mal abgesehen von meinen mickrigen 1000 km). Ich fing das Grübeln an. Klingt doch irgendwie cool. Einfach laufen und beim nächsten Wettkampf schauen wie es läuft und wo man selbst steht. Es alles einfach mal von alleine laufen lassen (Vorsicht Wortwitz). Sich dem Flow hingeben. Mal einfach die Medien, Medien sein lassen und einfach auf sich hören und keine Vorgaben machen. Der Masse trotzen. Mal rebellisch sein. Wieder zurück in die Pubertät. War auf jeden Fall ein befreiender Gedanke. So sei es.

Anstatt in den Gedankenverstrickungen festzustecken und daran fest zuhalten, entschied ich mich lösungsorientiert zu handeln und das alles einfach sein zu lassen, raus zu gehen und zu laufen und wirklich einfach Spaß daran zu haben und mich dem Sport mit vollem Herzen wieder hinzugeben. Wie früher, als ich mit dem Laufen in der Heimat begann.

So und hier sollte der Text eigentlich enden. Tja, was soll ich sagen. Unverhofft kommt oft. Ich ging also am Sonntag raus. 13 km von uns zu Hause bis nach Karlshorst zur Familie. Wetter zunächst bäh, kalt, nass, alles. Es packte mich aber die Motivation und ich düste los. Alleine. Mit Musik. Voll in den Laufrausch rein. Sonne kam raus. Beine wurden schneller. Musik wurde besser. Ich spürte einfach pure Freude und Spaß und dann machte es Klick. Ein Bild in meinen Gedanken, ein Ereignis. Ganz klar und es zauberte mir ein riesiges Grinsen ins Gesicht. Vorfreude, Motivation, Stolz. Ich hatte mein Ziel gefunden. Und ich verrate nur so viel: es ist SMART!

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